Erste Digitalkonferenz zum Thema „Fokus Patient“ in Hannover

Digitalisierung muss dem Patienten nutzen

Hannover, 24.09.2018 – Der Einsatz digitaler Technik und die damit einhergehende Automatisierung bedeuten tiefgreifende Veränderungen für die privaten und beruflichen Lebensbereiche. Von dieser Entwicklung ist auch das Gesundheitswesen betroffen. Inwiefern kann Digitalisierung eine effektivere Betreuung des einzelnen Patienten ermöglichen? Mit der ersten Digitalkonferenz „Fokus Patient“, die am 19. Oktober 2018 (Beginn: 9.30 Uhr) im Sheraton Hannover Pelikan Hotel von der Apothekerkammer Niedersachsen ausgerichtet wird, sollen erste Impulse gesetzt, Fragen rund um die Digitalisierung im Gesundheitswesen erörtert und die Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisiert werden.

„Mit der Konferenz initiieren wir einen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen, die ähnliche Wertevorstellungen haben und Ziele aus verschiedenen Perspektiven, aber immer mit Blick auf den Patienten, verfolgen“, erklärt Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen. Im Anschluss an die Vorträge lädt die Apothekerkammer das Publikum bei einem Mittagessen zum direkten Austausch mit den Rednern ein.

Digitalisierung mit „Fokus Patient“ öffentlich diskutieren
Für die Apothekerkammer Niedersachsen ist es von großer Bedeutung, Gegenwarts- und Zukunftsthemen wie die Digitalisierung unter dem „Fokus Patient“ öffentlich zu diskutieren und die Rahmenbedingungen für das Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Auf der Digitalkonferenz wird unter anderem erörtert, welche Chancen sich aus den neuen Techniken für die Gesundheitsvorsorge, die Diagnose und die Behandlung entwickeln und inwiefern die Digitalisierung die Gesundheitsversorgung auf dem Land und in Großstädten verbessern kann. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob Skepsis gegenüber digitalen Geräten berechtigt ist und was die Menschen brauchen, um sich souverän und kompetent in der digitalen Lebenswelt zu bewegen. Was macht den „Patienten der Zukunft“ aus und worauf müssen sich Ärzte, Apotheker, Pflegende und Krankenkasse künftig einstellen?

Namhafte Referenten mit unterschiedlichen Perspektiven
Die Apothekerkammer Niedersachsen konnte für die Konferenz Referenten gewinnen, die auf ihrem Gebiet anerkannte Experten sind. So erläutert Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx auf der Konferenz, welche Ängste, Zweifel aber auch Euphorie der Mensch mit der Digitalisierung verbindet und klärt über „Digitale Mythen“ und „Digitale Dämonen“ auf. Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel der Techniker Krankenkasse in Hamburg, hat sich intensiv mit den Digital Natives beschäftigt und beschreibt, wie der Patient der Zukunft aussehen – und wie er das Gesundheitswesen verändern wird. Hans Erik Henriksen, CEO von Healthcare Denmark, hat bereits Erfahrungen mit der Digitalisierung in seinem Heimatland Dänemark machen können und erklärt, wie dort E-Health funktioniert. Stefan Muhle, Staatsekretär vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, spricht darüber, wie die digitale Wende in Niedersachsen vollzogen wird.

Gesundheitsnetzwerk in Niedersachsen initiieren
Ärzte, Apotheker, Therapeuten, Krankenhäuser, Wissenschaftler, karitative Verbände, aber auch Krankenkassen, Pharmaunternehmen, Software-Firmen und Politiker beschäftigten sich intensiv mit den unterschiedlichsten Fragen rund um den Patienten. Mit ihrer ersten Digitalkonferenz lädt die Apothekerkammer diese Akteure zu einem direkten Gedankenaustausch ein und gibt im Idealfall den Startschuss zu einem Gesundheitsnetzwerk in Niedersachsen, in dem sich diejenigen zusammenschließen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Auf diese Weise könnten Synergien geschaffen werden, die in gemeinsame Projekte einfließen, immer den Leitfragen folgend, welche Rahmenbedingungen dabei für den Patienten und die Angehörigen der Heilberufe notwendig sind und wie die Digitalisierung den Patienten unterstützt.

Menschliche Beziehungen durch digitale Technik bereichern
„Soll Digitalisierung zum Wohl des Patienten angewandt werden, darf dies nicht bedeuten, Abläufe, Verantwortung oder persönliche Kontakte nur technisch zu rationalisieren“, fordert Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen. Digitalisierung könne zum Beispiel in ländlichen Gegenden zu einer besseren Versorgung beitragen. In jedem Fall müsse sie die menschlichen Beziehungen durch technische Innovationen bereichern. „Wir wissen aus Umfragen, dass Patienten sich von der Digitalisierung eine einfachere Kommunikation mit dem Arzt wünschen. Die meisten Patienten möchten mitentscheiden, wenn es um ihre Therapie geht“, berichtet Linz.

eRezept und eMedikationsplan
Besteht in der Zukunft ein sicheres Datennetzwerk, können darüber Informationen über weite Strecken hinweg in Echtzeit übermittelt werden. Dies wäre beispielsweise durch das eRezept möglich. Hierbei wird das Rezept des Arztes nicht mehr ausgedruckt, sondern elektronisch auf einem Trägermedium oder in einem zentralen System abgespeichert. Der Patient hat dabei stets die Wahl, welche Informationen gespeichert  werden und welche Informationen er weitergeben möchte. Er bestimmt auch, an welche Apotheke das Rezept übermittelt und ausgelesen wird. Im Idealfall liegt das Medikament bei der Abholung in der Apotheke schon bereit. In zwölf Ländern der Europäischen Union ist das bereits möglich.

Auch durch die Einführung des elektronischen Medikationsplans (eMedikationsplan), dessen Realisierung für 2019 geplant ist, wird der Austausch zwischen Patient, Arzt und Apotheker erleichtert und der administrative Aufwand verringert.

Basis für eine bessere Kommunikation: Elektronische Patientenakte
Ein Zukunftsbild der Apotheker ist, dass Fachärzte, Hausärzte, Apotheker und Patienten ein und dieselbe Informationsquelle rund um die Behandlung nutzen. Wichtige Informationen „verschwinden“ nicht mehr, sondern werden geteilt. Ärzte, Apotheker und Patienten haben Zugriff auf Arztbriefe und Befunde sowie auf die Ergebnisse von Laboren, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) wird dafür in Deutschland der Grundstein gelegt. Mit der ePA wird auch die Kommunikation zwischen den Heilberuflern an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung verbessert. Die Medikation kann schon vor der Entlassung aus dem Krankenhaus erfasst und bei der Apotheke in Auftrag gegeben werden. Verlässt der Patient das Krankenhaus, ist dann schon dafür gesorgt, dass er seine Medikamente in der notwendigen Dosis, Wirkstärke, Darreichungsform und Anzahl erhält.

Strukturelle Voraussetzungen in Niedersachsen
„Technische Innovation setzt jedoch eine entsprechende Struktur voraus“, erklärt Magdalene Linz. Damit jeder Bürger freien Zugang zum „schnellen“ Internet hat, muss das Breitbandnetz in Niedersachen dringend ausgebaut werden. Die Datenhoheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung muss jedoch immer beim Patienten liegen: Jeder Einzelne muss darüber selbst und alleine bestimmen können, ob und welche persönlichen Daten über ihn gespeichert, verwendet und weitergegeben werden.

Für den Austausch der Heilberufler muss ein sicheres Datennetz aufgebaut werden, in dem Informationen verschlüsselt übermittelt werden und in dem der Heilberufler eine geprüfte, digitale Identität nachweisen kann. Diese Voraussetzungen bietet die von der Bundesregierung im E-Health-Gesetz festgelegte Telematik-Infrastruktur, an deren Auf- und Ausbau sich die Apotheker aktiv beteiligen. Die Telematik-Infrastruktur soll künftig die technologische Basis für eine sichere Infrastruktur im deutschen Gesundheitswesen sein.

Digitalkonferenz der Apothekerkammer Niedersachsen „Fokus Patient“
Datum: Freitag, 19. Oktober 2018
Uhrzeit: 09.30 bis 13.15 Uhr
Ort: Sheraton Hannover  Pelikan Hotel (Mozartsaal), Pelikanplatz 31, 30177 Hannover
Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Veranstaltung ist für Fachleute. Es wird um eine Anmeldung über diesen Link gebeten.

Referenten:
•    Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher, Wien
•    Hans Erik Henriksen, CEO of Healthcare Denmark, Odense M
•    Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel, Techniker Krankenkasse, Hamburg
•    Stefan Muhle, Staatssekretär, Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Hannover

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

Pressekontakt der Apothekerkammer Niedersachsen:
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